Von Un-CDs, Rootkits und rechtelosen Musikhoerern

Januar 22nd, 2006

Die Diskussionen um diverse Kopierschutzmassnahmen haben im letzten Jahr deutlich zugenommen. Bisheriger trauriger Hoehepunkt war wohl die Rootkitfunktion in ca. 40 CDs von Sony in den USA. Anlaesslich der Musik-Internet-Konferenz Midemnet wagt der EMI Chef Eric Nicoli die These “In zehn Jahren ist die CD tot” (Artikel bei Heise.de).
Tatsache ist aber, dass die echte Musik CD schon laenger tot ist. Die Plattenlabels missachten durch Kopierschutzfunktionen, zusaetzliche DRM Software usw. den CD Standard.
Natuerlich ist der Hintergrund aus Sicht der Labels verstaendlich. Raubkopien sind ein riesiges wirtschaftliches Problem und auch zu Recht strafbar. Das Problem ist, dass durch die jetzigen Massnahmen, die zum grossen Teil wirkungslos sind, da sie umgangen werden koennen, der ehrliche Kaeufer bestraft wird. Ich besitze ca. 200 Alben, alle legal gekauft. Aber ich darf damit nicht machen was ich will. Ich darf sie nicht auslesen, kann sie teilweise nicht (legal) am Rechner abspielen. Und teure HIFI CD Player haben des oefteren Probleme mit dem Kopierschutz.
Dazu koennte man jetzt seitenweise schreiben, was aber vor mir schon genuegend andere getan haben. Auf die entsprechenden Stichworte gibt es auf www.heise.de zahlreiche Artikel. Auch Bloger haben sich damit beschaeftigt. Ich greife mal diesen englischen Artikel eines deutschen Jazzhoerers heraus. Er ist zwar teilweise unprofesionell (voller denglischer Flueche) geschrieben, beschreibt das Grundproblem aber sehr gut.
Wenn, was in der Tat zu erwarten ist, der Marktanteil der digitalen Musikshops wie dem iTMS, weiter steigen wird, wird die CD wohl nicht tot sein, aber mehr und mehr DRM verseucht. Man koennte sich vielleicht sogar mit DRM anfreunden. Jedoch sind da noch folgende, fuer mich zentrale, Fragen offen:

  • Bekomme ich unkomprimierte Musik?
  • Was ist wenn der Anbieter pleite geht?
  • Wer garantiert mir, dass ich einen gekauften Titel, nach einem Systemwechsel, egal ob Hard- oder Software noch abspielen kann?
  • Kann ich das Format in zehn Jahren noch lesen?
  • Laueft der Titel auf meinem MP3 Player, oder im Autoradio?
  • Kann ich den Titel ueberhaupt auf CD brennen?
  • Warum soll ich fuer einen Titel der digital ueber das Internet kommt genauso viel, oder sogar mehr zahlen, als anteilig fuer eine CD?
  • Was ist wenn meine Festplatte den Geist aufgibt, oder ein durch die rootkitfunktion unerkannter Virus meine Sammlung loescht?

Dazu koennte man sich mit Sicherheit noch mehr einfallen lassen. Bei Bedarf ergaenze ich die Liste.
Dass der Mehrheit der Kaeufer diese Fragen entweder nicht bewusst, oder sogar egal sind ist nichts neues. Die Zahlen der schnell und billig produzierten Alben aus den Charts, praktisch alles Un-CDs, sprechen fuer sich. Ebenso die fuer suendteure Klingeltoene und komprimierte Musik aus den Onlinestores.
Wer aber weiterhin einigermassen frei entscheiden will, was er mit seiner Musik machen will und kann muss weiterhin CDs kaufen. Das sollten dann auch nur echte Audio CDs ohne Pseudo-Kopierschutz sein!
Ich fuer meinen Teil werde das auch weiterhin machen. Da mein Musikgeschmack nicht gerade von den Charts bedient wird, habe ich eine sehr grosse Auswahl unter echten Audio CDs. Dem Rest bleibt leider nur der Boykott, oder mit den bekannten Einschraenkungen zu leben.
Die Politik hat das Problem mit den Koerben 1 und 2 zum Urheberrecht wohl nicht erkannt, sondern ist zu grossen Teilen den Wuenschen der Industrie gefolgt. Daher ist und bleibt der Verbraucher der einzige, der ein Umdenken bei den Konzernen bewirken kann. Durch den gezielten Kauf, aber auch Nichtkauf von Audio- und Un-CDs und oeffentlichen Protest kann einiges erreicht werden. Dazu gehoert aber auch das Bewusstsein um den materiellen und kulturellen Wert der Daten auf den CDs. Die “Raubkopierer sind Verbrecher” Kampagne mag verpoent und aufdringlich sein. Im Kern stimmt sie aber.

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1 Comment Add your own

  • 1. deus62  |  Januar 22nd, 2006 at 15:19

    Na ja, dass ich unprofessionell bin meine ich zwar nicht ;), aber du hast schon recht … ich bin halt nach mehr als zwanzig Jahren dann einmal ausfallend geworden. Es wurde mir einfach zuviel.

    Meiner Meinung nach kann man diesen Kopierschutz-Wahnsinn nur noch bekämpfen, indem man die Firmen aktiv boykottiert. Ich habe mich da nur in eine lange Schlange von Sammlern eingereiht, die das in den letzten Jahren auch so für sich entschieden haben (siehe die einschlägigen Musikforen).

    Inzwischen nutze ich auch DVD-Foren um mich vor dem Kauf über eventuell nervige Trailer, nicht überspringbare ellenlange Spots etc. zu informieren. Soclhe DVDs kaufe ich auch nicht mehr.

    Und übrigens: Von meinen 38 Metern CDs sind nur die Hälfte Jazz. Der Rest ist Pop, Punk, Hard Rock & Heavy Metal, Klassik, etc. In letzter Zeit kaufe ich eigentlich nur noch Jazz, neben z.B. solch einzigartigen Projekten wie der Chris Rea 11-CD Box, die einfach nur gut ist.

    Und gute Besserung! Ich selbst habe gerade 6 Monate Krankenhäuser hinter mich gebracht, mit mäßigem Erfolg. Man weiß was kaputt ist, kann aber die Ursache nicht finden. Das macht das Leben dann umso spannender. ;)

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